Von Windows zu Ubuntu und zurück – und zurück

Lesezeit: ca. 11 Minuten
Vorwort: Ich weiß schon, warum ich nicht mehr in der IT arbeiten kann. Dieses Windows macht einen fertig. Ich verstehe auch jeden, der sich weigert sein Windows mit einem richtigen OS zu ersetzen, denn es ist unglaublich, wie viel Zeit und Energie man in Windows versenken muss. Da denkt man schnell “Das ist bei anderen Betriebssystemen doch genauso!“. Nein, ist es nicht. Andere OS (selbst ein Hackintosh) sind nicht so arbeitsaufwendig, wie man es von Windblows her kennt.

Für die Smarthome-Zentrale mit IOBroker wollte ich erst einen Raspberry PI 4 mit 4 GB einsetzen. Ja, gut, es werden so um die 50 Shelly-Devices und rund 50 bis 60 andere Schlaugeräte (wie Fenstersensoren) werden. Mir wurde deswegen ein Intel NUC mit 16 GB RAM im Bereich um die 500 Euro (kein Witz) in der IO-Broker-Facebook-Gruppe empfohlen. Darunter ginge nichts. Man solle IOBroker in einer VM laufen lassen – zwecks besseren Backup. Okay, das stimmt mich jetzt bezüglich der Zuverlässigkeit IOBrokers nicht sonderlich zuversichtlich und bezüglich des daraus resultierenden Stromverbrauchs nicht froh.


Netzwerkdiagram

Wie dem auch sei: Hier soll als Display des SmartHomes ein MSI AE4200 (MS-AA8111, bzw. MS-AA81) 20″ Touch-PC in der Smartwand fungieren. Der PC verfügt vom Werk aus über eine AMD E2-3000 APU – nicht zu verwechseln mit der AMD Llano. Das ist kein E2-3000M! Alleine dieses kleine M kann einen in den Irrsinn treiben!


Die Smartwand im Rohbau

Der Rechner ist von 2014. AMD Kabini E2-3000 APU (1,65 GHz). 4 GB und einer HDD mit 500 GB Kapazität. Ich habe dem noch eine 120er SSD gegönnt. Die APU (da ist halt noch eine Radeon-Grafikeinheit drin) läuft mit 1,65 GHz und verbrät unter Vollast 15 Watt. Also… inklusive der Grafik! Im Prinzip ist das Ding tatsächlich sehr effektiv, nicht nur für seine Generation. Die Leistung liegt etwas über dem Niveau eines Apollo Lake Celerons mit selber Taktfrequenz, also auch etwas über einem Raspberry Pi 4. Wobei die E2-3000 allerdings in der Theorie etwas mehr Strom als der erwähnte Celeron und deutlich viel mehr als der Rapberry Pi zieht. Wie gesagt: die TDP liegt hier durch die integrierte, leistungsfähigere Radeon-Grafikeinheit über der der Mitbewerber. Wobei man bei systetischen Benchmarks über Plattformgrenzen hinweg sowieso vorsichtig sein sollte. Äpfel und Birnen und so. Fakt ist nur, dass die Zukunft, auch auf dem Desktop, ARM-Prozessoren gehören wird. Ich vermute, dass mit dem erscheinen des Raspberry Pi 5 oder 6 dieser MSI-AIO-PC nur noch als Anzeige-Gerät verwendet wird, das im S3 (Suspend to RAM) vor sich hinschlummert und über einen Tastendruck (nicht den Touchscreen) geweckt werden muss.


Die Visualisierung auf dem Touch-PC mit Windows im April 2020
Die Glühlampe kann man anklicken, das Licht schaltet dadurch schneller, als bei einem Druck auf den realen Taster in der Wand!

Vor eingier Zeit hatte ich schon Windows 10 auf der Büchse installiert. Vom Werk aus kam der AIO-PC mit Windows 7 daher. Meine Frau kaufte den für die Arbeit an ihrer Dissertation. Schon da fiel er durch massive Lags auf. Teilweise hatte sie so Angst um ihre Arbeit, dass die den Bildschirm mit Word einfach mit dem Handy abfotografierte. Dazu muss man allerdings wissen, dass ich niemanden kenne, der in einem Browser 60+ Tabs offen hat. Ich habe so in der Regel 30 Tabs geöffnet. Den Löwenanteil der 4 GB RAM frass folglich Firefox. Sie ersetzte den MSI dann durch ein Surface Pro 4. Unnötig zu erwähnen, dass die ganze Sache nicht besser wurde, denn auch dieser Streichel PC verfügt nicht über genügend RAM für ihre Recherche-Orgien.

Der MSI AIO hing bei uns im Wohnzimmer als Medienzentrale. Ach, sind wir mal ehrlich… ein Firestick oder ein Raspberry mit Kodi ist mehr Medienzentrale als das Ding. Darauf schaut man doch keinen Film oder hört Musik. Aber es sah witzig aus und er hatte eben diesen Touchscreen. Dann stand er auf dem Küchentisch, aber auch da erfüllte er keinen rechten Zweck. Er verschand dann einfach in der Ecke und verstaubte, bis ich dachte, dass er eine gutes Smarhome-Display abgeben könnte.

Anyway: Das ausgenudelte und vollgemüllte Windows habe ich runtergeworfen und Ubuntu 18.04 vom Stick installiert. 10 Minuten später: Hochgefahren, alle Hardware wurde erkannt, System rennt wie die Sau. (y)
ABER: Auch wenn der Touchscreen OOTB erkannt wird, so fehlen – nicht lachen! – Kleinigkeiten wie ein Klickgeräusch beim Benutzen der Bildschirmtastatur. Auch  erschien sie einfach nicht zuverlässig.

IOBroker installiert. Getestet. Mit Firefox offen und dem Dienst im Hintergrund, nur ein paar Adapter geladen, keine Instanzen konfiguriert und auch keine Scripte erstellt, aber damit fast vollständig den RAM geflutet. Okay, so geht es also nicht.
Uuuuupgrade! 😀

Also den RAM aufgerüstet. Einen 8 GB DDR3 SO-DIMM gekauft. Das Ding hat nun immerhin 12 GB RAM.


Originaler DDR3-SO-DIMM


Die beiden RAM-Slots, dualchannel-fähig

Das mit der mangelhaften virtuellen Tastatur-Unterstützung hat mich aber so genervt, dass ich Windows ausprobierte. Tja, das lief, wie nicht anders zu erwarten, mit dem Touchscreen absolut perfekt. Klar, Microsoft stellt ja auch die o.a. Surface-Tablets her. Ich liess noch O&O Shutup drüberlaufen, deinstallierte und deaktivierte den ganzen Mist wie Cortana und alles andere, das einen ausspioniert und ein mögliches Einfallstor für Schadsoftware auf unserer Smarthome-Zentrale sein kann. Der Defender als Schutz muss reichen, der hat ja mittlerweile Taug. Ich kaufte noch eine Lizenz und war vorerst zufrieden. 🙂

Bis die Updates kamen! 🙁 🙁

Nach jedem verdammten Update musste ich die AMD-Grafiktreiber neu installieren, da der Rechner für nur ca. 1,5 Sekunden zu bedienen war und dann für 3 Sekunden stand! Das ist mal ein Lag für Männer! Und nach jedem Update musste ich auch noch die ganzen Spionage-Funktionen wieder deaktivieren.

Aber nach dem letzten Funktionsupdate war dann auch Schluss mit lustig. Ich verbrachte ewig Zeit damit, dem Fortschrittsbalken zuzuschauen, als ich die Datenträgerbereinigung anstieß, weil auf dem Rechner Update-Müll herumlag und Windows alleine (es ist ja nichts installiert im Prinzip!) 65 GB SSD-Platz verschwendete! Ich meine, das müssten die Updates 20H2 / 2004: KB4601319 – Build: 19042.804 und 19041.804 gewesen sein. Der Rechner lief ja 10 Monate in der Endphase der Haussanierung nicht. Auch die Systemlast lag im Leelauf bei 30 Prozent. Für nichts! Einfach so! Vielleicht ein Servicehost für node.js? Ich schaute da nur halbherzig nach, denn das ist ja völlig inakzeptabel. Der Rechner hat nichts zu tun und die CPU Last liegt um die 5 oder 6 Watt? Abgelehnt!

Dann noch Docker. *seufz*

Auch wieder so ein Floh, den mir die Leute auf Facebook ins Ohr setzten, war, dass ich unbedingt ioBroker in einem Docker Container laufen lassen mus. Was ein Scheiss. Bis alleine Docker seinen Arsch hochbekommt, vergeht einfach zuviel Zeit. Dann noch der ioBroker… da ist man bei einem Kaltstart locker bei fünf Minuten Bootzeit, bis die Smarthome-Zentrale wieder am Start wäre.

Nase voll. Im echten ioBroker-Forum um Rat gebeten und von den Leuten echt gute Tipps bekommen. Nur einer kam wieder mit einem NUC um die Ecke. Die NUCs, die man bezahlen kann (um die 150 Euro) haben eben besagte Apollo Lake CPUs. Die sind ähnlich “schnell” wie meine APU. Typischer Verbrauch soll bei der APU 8 Watt sein, maximal 15 Watt. Die NUCs liegen bei 5 bis 15 Watt. Bis ich da den Kaufpreis an Strom wieder eingespart habe, vergehen vermutlich 70 Jahre. Vor allem, weil ja immer noch der Streichel-PC mit der APU im Standby laufen muss, sonst habe ich ja nichts zum bedienen des Smarthomes.

Der Gedankengang war eben: Wenn ich den Streichel-PC sowieso schon habe und der sich für eine SmartHome-Zentrale direkt aufdrängt, die APU da drin einen eher bescheidenen Stromverbrauch hat, da sie eigentlich für Subnotebooks gedacht war, dann kann ich auf einen weiteren stromsparenden Rechner verzichten, da der den Stromverbrauch unter dem Strich nur erhöht, statt verringert.

Also, Windows musste wieder weg. 🙁
Die Leistung und der Stromverbrauch waren zu hoch. Ausserdem jammert Windows immer nach Streicheleinheiten, vor allem nach Updates. Ein Linux funktioniert einfach.

Nur… welches Linux sollte ich nehmen?

  • Eines, das auf Debain basiert. Damit kenne ich mich aus. Reines Debian benutzte ich bisher aber nur auf dedizierten Webservern oder Micro-NAS und Firewalls im Heimnetz. Auf den Multiboot-Stick packte ich also folgende Distros:
  • Ubuntu 20.04 LTS (Gnome)
  • ElementaryOS 5.1 Hera (GTK+)
  • Debian 10.8 Buster (Lxde)
  • Puppy Linux Fossa (xfce)
  • Linux Lite 5.2 (xfce)


Eignung der verschiedenen Distros für einen Touch-PC mit APU:


Ubuntu:
Hier bin ich vorbelastet, das läuft auf meinem Notebook. Das booten vom Stick ist eher langsam. Ebenso das Starten von Apps. Klar, das liegt daran, dass der Stick quasi wie eine SSD behandelt wird. Der Lüfter des Rechners ist beim Start und in den ersten Minuten danach deutlich zu hören. Im Leerlauf nimmt sich Ubuntu aber auch nur ca. 3 % CPU-Last. Klar, der ganze Overhead an Programmen wie Libre-Office und Co muss weg. Das ISO-Image wiegt immerhin 2,8 GB.
Ubuntu hat die beste Obefläche für einen Touch-PC. Im Gegensatz zu 18.04 wacht es nun beim berühren das Bildschirmes auch wieder auf. Die virtuelle Tastatur ist endlich sexy und modern geworden. Sie erscheint und verschwindet nun auch zuverlässig. Alle Bedienelemente und die Sidebar lassen sich sehr gut via Touch bedienen.
Das Scrollen funktioniert aber nicht überall. Beispielsweise kann man in der Programmübersicht nicht wischen. Das Scrollen im Webbrowser ist vom Webbrowser abhängig. Unter Windows funtkionierte der Edge (Chrome) super. Der Firefox, der mit Ubuntu ausgeliefert wird, kennt kein Scrollen mit einem Touchscreen. Hier muss ich wohl Chromium einsetzen.


Ubuntu Desktop mit großen Symbolen


Ubuntu Desktop mit virtueller Tastatur

Noten:
Geschwindigkeit: 2
Touchunterstützung: 2
GUI: 1
Grundlast: 2
Gesamtnote: 1,75


ElementaryOS:
Okay, ich bin auch hier vorbelastet, denn eOS benutze ich auf dem Hauptrechner. Elementary startet schneller vom Stick als Ubuntu. Der Lüfter ist aber beim Star leiser. Die Grundlast liegt um die 7 bis 9 % herum. Die Optik ist grob an macOS angelehnt. Mir sind die Zeilenabstände generell viel zu groß, aber für die Touchbedienung ist das ja okay. Elementary hat keine virtuelle Tastatur. Zwar kann man problemlos im System wischen und scrollen, aber beim halten (Rechtsklick) erscheint kein Kontextmenue. Der Rest der GUI ist aber gut mit dem Touchscreen zu bedienen. Nur am Rande: Trotz hoher eigener Ansprüche an das Design, sehen einige App-Menues aus, als stammten sie noch von Windows 3.11. Megafail. Das ISO-Image ist 1,3 GB leicht.


Desktop mit Dock (Plank)


Systemauslastung: knapp unter 10 %

Noten:
Geschwindigkeit: 2
Touchunterstützung: 4
GUI: 2
Grundlast: 3
Gesamtnote: 2,75


Debian Buster LXDE:
Optisch erinnert das grob an ein Windows 7. Nicht unschick. Es bootet halbwegs flott. Die Apps laden flott. Das Startmenue und alle Bedienelemente sind zu klein für die Touchbedienung. Eine virtuelle Tastatur fehlt komplett. Der Lüfter ist unauffällig beim Start und im Betrieb. Die Grundlast liegt bei unerfreulichen 29 %. Windows lässt ganz lieb grüßen! Das Image wiegt eher schwer: 2,5 GB.


Debian Desktop


Debian Taskmanager bei 28 %

Noten:
Geschwindigkeit: 2
Touchunterstützung: 4
GUI: 3
Grundlast: 6
Gesamtnote: 3,75


Puppy Linux Fossa (xfce):
Bootet sehr schnell, da das ISO-Image gerade mal 423 MB(!) “groß” ist. Das verwundert, denn es kommt mit einer brauchbaren Softwaregrundausstattung daher. Trotz des 90er-Jahre-Designs sieht es freundlich aus. Das Starmenue ist aber eher schlecht mit Touchscreen zu benutzen. Es ist sehr ressourcenfreundlich und reagiert extrem schnell, da es komplett im RAM arbeitet. Die Grundlast liegt bei etwa 2 – 3 %, der beste Wert bisher. Puppy Bionic hatte IIRC noch eine virtuelle Tastatur, die aber recht klein war und altmodisch aussah. Diese scheint in Fossa über Bord gegangen zu sein.


Puppy Desktop


Startet man den SysMon, wird ein Load-Widget in den Desktophintergund integriert. Sehr nice!

Noten:
Geschwindigkeit: 1
Touchunterstützung: 4
GUI: 4
Grundlast: 1
Gesamtnote: 2,5


Linux Lite (xfce):
Es bootet mittelprächtig vom Stick, weil es einfach immer das Filesystem des Sticks überprüfen will. Ist das erledigt, ist der Start in etwa wie von Ubuntu und Debian. Der Lüfter ist auch noch nach dem Start deutlich hörbar. Der Look ist flach wie von Windows 10, aber es sieht nach meiner Meinung richtig gut aus. Vielleicht, weil es heller und freundlicher daherkommt? Alle Apps fügen sich hervorragend in den Look des Systems ein. Eine virtuelle Tastatur bringt Linux Lite leider nicht mit. In Bereitschaft versetzt, wacht das System nicht mehr nur durch Berührung auf. Schade. Das System reagiert sehr schnell. Die Grundlast liegt bei 5 bis 8 %. Auch Lite wacht nicht mehr aus dem Susped auf.


Der Lite Desktop erinnert an Windows 7


Lite Taskmanager, sehr hübsch gemacht

Noten:
Geschwindigkeit: 1
Touchunterstützung: 4
Touch-GUI: 4
Grundlast: 3
Gesamtnote: 3,0


Und nur zum Vergleich:

Windows 10:
Nur von SSD gebootet. Bootzeit hat sich ja immer wieder bei Windblows verbessert, auch wenn Windows auch nach dem Laden des Desktops fleissig weitere Systemdateien startet, hat man doch den Eindruck, dass man loslegen könnte, wenn man wolle. Alles in allem braucht ein nacktes Windows trotzdem deutlich länger als die Mitbewerber aus dem Hause Linux. Aber gut, ein gut abgehangenes (über Jahre hinweg benutztes) macOS ist keinesfalls schneller am Start als ein Windows. Am Ende ist die Bootzeit aber auch eher unwichtig. Der Lüfter ist auch nach dem Start durchweg im Betrieb. Der Look ist wie… Linux Lite. Oder wie ein Kubuntu. An nützlichen Apps bringt Windows kaum etwas mit, das Image ist aber unglaubliche 6,3 GB groß und damit mehr als doppelt so groß wie das von Ubuntu, das aber Softwaremäßig kaum noch Wünsche offen lässt. Wenn man bedenkt, dass selbst ElementaryOS eine komplette Softwareausstattung mitbringt und dabei das Image gerade mal 20% so groß ist, drängen sich doch Fragen auf, was Windows so alles an Altlasten mitschleppt. Auch der Ressourcenverbrauch hat sich bei Windows deutlich verbessert, so dass es auch auf älteren Systemen akzeptabel läuft. Kein Vergleich mit einem Linux, aber für ein Windows ist 10 wirklich geschmeidig. Bei der Touchbedienung kann Windows groß auftrumpfen. Besser können das nur Handys. Die virtuelle Tastatur ist perfekt und hat auch einen Klicksound. Vorbildlich! Der unsägliche Internetexplorer wurde durch einen Chrome-Fork ersetzt. Den kann man tatsächlich benutzen! Die Grundlast beträgt um die 30 %. Indiskutabel!


Windows Desktop


TaskManager unter Windows 10, die nur unter diesem OS nötigen Schadsoftware-Scanner erhöhen die Grundlast enrom.

Noten:
Geschwindigkeit: 3
Touchunterstützung: 1
Touch-GUI: 1
Grundlast: 6
Gesamtnote: 2,75


ENDERGEBNIS:

Okay, ich bin nicht die Stiftung Warentest. Meine Methodik ist zweifelhaft und die Tests unvollständig. Diese Auflistung der wichtigen Features ist rein subjektiv und nur für mich für eine Entscheidung gedacht, damit ich mich nicht von einem unwichtigen Feature blenden lasse. Das Ergebnis hat mich aber selber völlig überrascht. Eigentlich mag ich keine Noten vergeben, aber ich mache trotzdem mal eine Rangliste, der Betriebsysteme, die für die Touchbedienung auf einem Rechner mit einem SoC geeignet sind:

  1. Ubuntu: 1,75
  2. Puppy Linux: 2,5
  3. ElementaryOS: 2,75
  4. Windows: 2,75
  5. Linux Lite: 3,0
  6. Debian: 3,75

Rein vom Gefühl hätte ich Linux Lite vorne gesehen, aber eben deswegen gab ich mir die Mühe mit der Punkteverteilung.

Ganz generelle Anmerkungen:
Keines der OS kann aus der Bereitschaft durch die Berührung des Touchscreens wieder aufwachen.
Aber ioBroker muss sowieso dauernd laufen.

Eigentlich braucht man für die Visualisierung ioBrokers keine Tastatur.
Es reicht eine GUI mit einem Browser.
Es wäre schön, wenn man wenigstens eine virtuelle Tastatur für den Fall eines Systemfehlers hätte, mit der man die Konsole bedienen kann, ohne auf den Rechner via SSH oder RDP zugreifen zu müssen.

Wenn der Browser im Autostart des Systems steht und als Startseite automatisch die VIS des ioBrokers aufruft, muss man das Betriebssystem im Idelafalle nicht anfassen.

Fazit
Da jetzt mein grandioser “Test” Ubuntu als klaren Sieger erkoren hat, werde ich es nun auch als “Minimale Installation” installieren.

Nachinstallationshinweise:
Das Wischen im App-Menue und den Einstellungen funktioniert nach der Installation und den damit verbundenen Updates absolut perfekt.
Die Systemauslastung ist im Idle auf 10% gestiegen.
Es gibt keine propritären Treiber. Prima!
Die Installation ohne Apps belegt 10 GB auf der SSD.
Auch wenn der ioBroker läuft: Ist der Bildschrim (und damit die GUI) ausgeschaltet, fällt der Energieverbrauch massiv. Die APU ist dann wirklich nur noch bei 3 % Last! Die Taktfrequenz der CPU-Kerne und der Grafikeinheit (die nicht mehr benötigt wird) wird massiv gesenkt. Das ist nicht schlecht für einen Suspend S1 und wiederlegt die landläufige Meinung, dass kein Unterscheid im Energiebedarf bei S0 (eingeschaltet) und S1 (Power-on-suspend) bestünde.


Hat der Rechner wenig zu tun, senkt sich die Taktfrequenz der APU um mehr als 50%, auf rund 800 MHz.


Über das Netzwerk zu erreichen: Das ioBroker-Backend

Leute, esst mehr Linux!
Mit diesem Computerscheiss mache ich seit 1981 rum. Zuerst Assembler auf einem G7000, dann BASIC auf einem C64, dann DOS auf PCs. Zu WIndows 3.1 musste ich geprügelt werden, Mausschubsen war nix für mich. Nach dreizehn Jahren Windows (auch als POS-Techniker mit ein bisschen Unix und später als Systemspezialist für ein Consulting-Unternehmen) wechselte ich Mitte 2004 privat zu macOS (OS X). Nach sechszehn Jahren macOS (elf davon mit Hackintoshs) wechselte ich privat im Dezember 2020 komplett und mit einem harten Cut auf ElementaryOS. Auf meinen Notebooks verwendete ich seit 2008 meistens Ubuntu.

Der Wechsel von Windows auf macOS war damals eine Offenbahrung. Endlich trat das Betriebssystem in den Hintergrund und ich konnte mit dem Rechner ungestört das machen, was ich eben machen wollte. Es gab endlich richtig gute und zum großen Teil auch kostenlose Programme, und nicht mehr diese unüberschaubare Masse an schlecht designten Schrott wie bei Windows.

Der Umstieg von macOS auf Linux ist da deutlich schmerzvoller gewesen. Aber ganz ehrlich: Ich hatte die Nase voll davon, von US-Firmen abhängig zu sein und von ihnen überwacht zu werden. Wie schon beim Wechsel von Windows zu macOS war das Sicherheitsbedürfnis einfach größer als die Massenträgheit. Wenn man von macOS kommt, dann ist man natürlich von der Qualität mancher kostenlosen OpenSource Programme etwas enttäuscht. Aber dafür ist sie eben kostenlos.

Ich fremdelte eine Zeit mit Gimp. Erst war es toll, dann merkte ich, was alles fehlt und wie grottig bunt und unübersichtlich die Benutzeroberfläche ist. Alle meine Shortcuts, die ich von Photoshop seit mehr als zwanzig Jahren gewohnt war, funktionierten nicht mehr. Ich bin jetzt nicht der totale PS-Crack, aber sowas tut schon weg. Dann instaliierte ich GimpPS und einen Haufen Plugins – und auf einmal bin ich total Glücklich mit Gimp!

Zwei Dinge vermisse ich aber immer noch: Cyberduck (FTP) und BBEdit. BareFTP ist ein leidlicher Ersatz (Filezilla ist oberhässlich!) und all die ganzen Editoren wie Atom oder Notepad++ sind einfach nur aufgebäht und unelegant.

Ja, und Photos war schon unter macOS wirklich gut. Gerade die Gesichtserkennung war praktisch, wenn auch gruselig. Und natürlich Keynote, das ist so unglaublich viel besser als zum Beispiel Powerpoint. Ganz andere Liga.
Aber ansonsten gibt es für alles einen ebenso guten und i.d.R. sogar kostenlosen Ersatz. Sei es DaVinci Resolve (Final Cut Pro) oder äh… mir fällt nichts mehr ein. Krass, oder? Die meiste Software, die man benutzt, gibt es eben 1:1 auch für Ubuntu & Co.

Jemand, der nur surft, mailt und Office macht, der kann sofort zu Ubuntu & Co wechseln und braucht nicht einmal irgendeine weitere Software herunterzuladen, denn nach der Installation ist alles da, was man braucht. Wer ein Handy benutzen kann, kommt auch mit der Bedienung von Ubuntu klar. Alleine die Einstellungen des Betriebssystems sind um Größenordnungen übersichtlicher als unter Windos.
Bonus: Es gibt nicht dauernd Updates, die einen Neustart erzwingen, oder gar Updates, nach denen irgendwas nicht mehr funktioniert.

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