Popp Home als B-Ware gekauft

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Gestern kam mit dem Abus CFA3010 auch die Lieferung der “Popp Home”, einer Kamera, die auch noch ein **Z-Wave-Gateway** darstellt. Hat mich bei NBB gerade mal einen Zwanni als B-Ware gekostet. Da dachte ich: “Für das Gästeklo reicht die!”. Der reguläre Preis liegt aber auch nur bei 30 Euro. Für das Geld bekommt man keinen Z-Wave-Stick, geschweige denn auch nur im Ansatz ein Z-Wave-Gateway!

Der Anbieter
Womit fange ich an? Mit der deutschen Firma Popp, deren Logo überall zu sehen ist? Wenn eine Firma im SmartHome-Bereich auf ihre 90-jährige Tradition verweist, dann sollten alle Alarmsirenen angehen. Aber alle! Und so ist es auch: Popp/Zwaveeu hostet ein Forum, ohne es selber zu bedienen. Das ist mehr als nur peinlich und ein denkbar schlechtes Aushängeschild in der heutigen Zeit. Besser funktioniert die Reaktion über YouTube. Dort hatte ich innerhalb weniger Stunden eine brauchbare Antwort auf die Z-Wave-Reichweite, die aber vom Mitarbeiter eher konservativ eingeschätzt wurde. Kein Ding, denn wenn er zu viel versprochen hätte, wäre ich nur enttäuscht gewesen. Dazu aber weiter unten mehr.

Der OEM (eigentliche Hersteller)
Die Kamera hört auf den Namen IC722z und ist eigentlich von StarVedia aus Taiwan und damit (noch) nicht China.
Die Website hat eine ganz normale Ladezeit, wie man sie aus einer (noch) freien und demokratischen Industrienation erwarten würde. Sie ist im Default auf Englisch. Man sieht auf auf den (Stock-) Photos keinen einzigen Taiwaner. Man will sich, typisch für Taiwan, international geben. Einzig auf dem YouTube-Channel sieht man Taiwaner. Die Videos sind professioneller gemacht, als von vielen anderen Mitbewerbern. Siehe das Video zu den Kamera-Gateways.

Hardware
Die Hardware macht durchaus einen guten Eindruck. Gute Verarbeitung, angenehme Haptik. Eine Metallplatte, die man an die Wand schrauben kann und in die der Kamerafuß einrastet? Das gefällt! Die Kamera kann leicht in alle möglichen Richtungen geschwenkt werden, auch eine Deckenmontage ist möglich. Das Netzteilkabel ist ca. zwei Meter lang: prima! Das mitgelieferte, flache und weiße LAN-Kabel ist ca. 1,5 Meter lang. Stylisch und unauffällig.

Specs:
2,4 GHz WLAN
LAN-Anschluss (leider ohne PoE)
Steckernetzteil mit Mini-Hohlstecker
FullHD Video bis 30 FPS
Mikrofon und Lautsprecher (keine Duplex-Funktion)
Micro-SD-Card-Slot
Z-Wave-Gateway (Z-Wave Plus)


Die Kamera steht nun im Wintergarten, dem Katzenbegegnungszentrum (KBZ), denn die dürfen nicht ins Haus. So kann man halt immer schauen, was die Viecher so treiben.

Software:
Unter starvedia.com findet man alle Anleitungen, Dokumentationen und kann deren “CamView”-Software für macOS und Windows laden. Das Programm kommt unter Windows zwar in einem echt schrägen XP-Look daher, aber da stehen ja immer noch viele Windows-Fanboys drauf. Das Programm ist gerade mal 10 MB groß. Das gefällt mir.


Bis zu 36 Kamerabilder auf einem Screen? Nicht schlecht für den Heimanwender!

Die Bedienung ist intuitiv und gibt keinerlei Rätsel auf. Die Kamera(s) werden auch gleich gefunden. Nach Eingabe des Admin-Passworts wird das Bild angezeigt. Gefundene Kameras werden mit Drag&Drop zur Liste der eigenen Kameras hinzugefügt. Alles wirklich gut gemacht.

App:
Die deutsche Popp Home App ist nicht sooo übel, sie ist aber auch nur die mCamViewZ+-App – aber im typischen deutschen Kohlekeller-Schwarz. Wer es mag… Einziger echter Minuspunkt ist, dass man nicht die Zurück-Taste auf dem Telefon verwenden sollte, wenn man Einstellungen ändert, sondern die Zurück-Taste in der App, sonst erscheint nicht der Speichern-Dialog und die Änderungen sind futsch.


Die Popp Home App: Nur eine mCamView-App in Schwarz.

Webend:
Auf dem Webend packt einen aber echt das kalte Grausen! Wer glaubt, er hätte schon alle gruseligen chinesischen Übersetzungen und Designs gesehen, wird hier noch einmal richtig überrascht. Die 1990er lassen ganz lieb grüßen! Die Übersetzungen sind grottig: “Bewahren & anwenden” ist ja noch fast witzig, aber “Methode schadet”? “Wagge Tag/Eigennacht”? Soviel möchte ich nun doch nicht raten und stellt die Sprache auf English. Nun wird auch alles gleich verständlich(er). Was auch ein typischer Anachronismus in den Webends asiatischer IP-Cams ist: Irgendwelche uralten Plugins für den Internetexplorer werden vorausgesetzt! Hier ist es ActiveX. Super. Super schlecht. Aber auch egal, man kann ja auch über RTSP auf den Stream zugreifen.

Video:
Das Videobild ist in FullHD, nicht übel, da kann man nichts sagen. Die Cam müht sich im Gegenlicht redlich, alles auf die Kette zu bekommen und das gelingt ihr sogar. Allerdings auf Kosten der Spitzlichter. Aber wenigstens saufen die dunklen Passagen nicht ab. Es gibt keine Automatikfunktion für das Bild, aber das ist kein Fehler, denn in unserem Falle ist die beste Wahl für den Wintergarten eben “Outdoor”. Naja, für 20 Euro ist das Bild schon mehr als gut. Also… was sage ich? Verdammt gut. Auch die Videowiedergabe hat nur minimalste Ruckler bei 30 FPS, was aber auch der Entfernung geschuldet sein kann.

Das Objektiv ist sehr weitwinkelig. Ich stellte die Cam in eine Ecke und sie nahm beide angrenzenden Wände auf. Ich schätze den Blickwinkel auf deutlich über 90 Grad, vielleicht um die 110 Grad?

Hier Bilder aus dem KBZ. Der Standort wird nachher noch geändert. Die Kamera wandert in die Regale, wenn die fertig aufgebaut sind. Ist halt noch eine halbe Baustelle. Meine Frau hat dieses Klappbett da aufgestellt. Sie hält da offensichtlich öfter ein Mittagsschläfchen im Grünen. Mit Katzenbefall, steht zu vermuten.


Einstellung “Indoor”, Helligkeit “medium” (5/10), Katze vergrößert


Einstellung “Indoor”, Helligkeit “medium”, Gesamtbild


Einstellung “Outdoor”, Helligkeit fast komplett auf “Dunkel” gestellt (8/10), Gesamtbild. Naja, da könnte ich noch etwas aufhellen, man sieht ja schon Farbrauschen.


Einstellung “Outdoor”, Helligkeit fast komplett auf “Dunkel” gestellt (8/10), Katze vergrößert

Generell sieht das Bild live auf dem Handy deutlich besser aus, als es die Standbilder vermuten lassen. Aber das ist ja immer so.

Hier noch ein paar Videoschnipsel. Das Rauschen ist immer dann weg, wenn ich in das Mikrofon gesprochen hatte. Wie gesagt: geht nur in eine Richtung.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/LR_uZrQ9In4


DVR:

Die Kamera kann auf microSD-Karten, aber auch in eine Dropbox oder auf ein lokales NAS aufzeichnen. Auch das gefällt!

Sound:
Die Gegensprechfunktion muss leider auf einen Duplex-Betrieb verzichten. Entweder man hört oder man spricht. Die Mikrofonqualität ist absolut in Ordnung, man hört die Geräusche aus dem Raum sehr gut, aber ein deutlich vernehmbares Grundrauschen ist vorhanden. Der Lautsprecher hingegen… nun gut, bei so einem kleinen Gehäuse und zu dem Preis kann man nicht viel erwarten.

Updates/Service:
Ich habe von deren FTP-Servern ein Upgrade durchgeführt, die aktuelle Firmware ist die 040210 vom Januar 2021. Der Filename lautet IC722z-s2c-040210-n.f
Tatsächlich muss man den Namen des Firmware-Files wissen, bevor man das Upgrade durchführen kann, denn das Webend findet den nicht automatisch. Das ist etwas blöd, denn man braucht schon ein FTP-Programm, um nachzusehen, was denn der Server so alles anbietet. Im Browser wird man nämlich einfach wieder auf die Startseite gelenkt.


Die alte Firmware: v040206

Die Daten des FTP-Servers müssen selber eingetragen werden: Das gefällt mir NICHT!


Update läuft!


Update durchgeführt: v040210

Offensichtlich wird das Gerät also vom Hersteller noch gepflegt, auch wenn es bei Popp bereits aus dem Programm geflogen ist.
StarVedia hält auch eine gut mit guten Fragen gefüllte FAQ bereit. Joar, was ich so alles für einen Zwanni bekomme ist schon nett.

Der Feind im Bett?
Mit Wireshark kann ich keine Verbindungen in das Internet zu irgendwelchen dubiosen Cloudservern feststellen. Auch die seltsamen DNS-Server entpuppten sich als ganz normale Server (168.95.192.1) der Chunghwa Telecom Co.,Ltd aus Taiwan. Es werden nur Verbindungen zu den Geräten im WLAN angezeigt, die auch auf die Kamera zugreifen. Ansonsten eben der übliche UPnP-Broadcast auf 239.255.255.250 (SSDP/UDP, :1900), den alle diese Geräte aussenden, damit man sich mit ihnen verbinden kann. Befindet man sich im gleichen Netzwerk wie die Kamera, kann man über die App die Z-Wave-Geräte auch ohne Internetzverbindung steuern. Wireshark und auch ein praktischer Test bestätigen dies.

An offenen Ports konnte ich folgende feststellen:
80, Webend
554, RTSP (Video)
8090, HTTP alternativ, nicht konfiguriert
9999, das könnte Telnet, eine Analytics-Funktion oder aber eine Art RS485 (vielleicht Wiegand?) over Ethernet sein
12040, absolut keine Ahnung, was das ist

Alarmfunktionen:
Weder im Webend, noch der Software kann man irgendwelche Privacy- oder Alarm-Zonen im Bild definieren. Einzig kann man die Empfindlichkeit für Bild und Ton in zehn Stufen, sowie die Zeit, die vergehen soll, bis ein Trigger zum Alarm wird, einstellen. Das ist aber nicht so wild, denn es handelt sich ja um eine Inndoor-Kamera. Die eingebaute, winzige IR-Diode ist für einen Innenraum ausreichend hell.  Der Alarm kann über den eingebauten Lautsprecher wiedergegeben werden, aber auch stumm per Email erfolgen. Dabei können mehrere Adressen angegeben werden. Statt eines Alarm-Geheules kann man auch einen aufgenommenen Sound wiedergeben: “ACHTUNG! EINDRINGLINGSALARM!”, oder: “Ich sehe Dich! Verschwinde, bevor ich Dir in den Arsch trete!” – das ist doch nett, oder?


Alarmeinstellungen im Webend

Drahtlose Netzwerke:
Die Kamera kann bis zu 20 Geräte verwalten. Acht User können gleichzeitig auf sie zugreifen. Immerhin. Z-Wave Reichweite? JA! Aus dem Wintergarten, sechs Meter durch eine Außenwand, an einem Kühlschrank und einem Gefrierschrank vorbei, um einen Kaminzug herum? Kein Problem! Das Abus CFA3010 konnte ich jedenfalls schnell und problemlos durch das Scannen des QR-Codes mit dem eingebauten Z-Wave-Gateway verbinden.
Wie groß ist die WLAN-Reichweite? JA! Eine der besten, die ich hier im Haus von smarten Gerätschaften bisher gesehen habe. Top!


Tür offen


Tür zu!

Das Türschloss ist das von der Haustür, nicht das des KBZ, aber da kommt jetzt natürlich auch noch so ein Teil rein. Gerade im Wintergarten vergisst man doch mal abzuschließen.

Integrationsfähigkeit:
Z-Wave:
Autsch! Schwierig. Habe versucht, das Ding mit Google Home zu verbinden. Via mCamView- und Popp Home-Services in der Google Home App funktioniert das nicht. Der Dienst lässt sich – völlig ohne Fehlermeldung – einfach nicht hinzufügen. Liegt das an Google? Am Cloudservice? Oder an meinem Packetfilter vor dem Smart-Home-Netzwerk? Shelly Cloud und Tuya funktionieren aber problemlos damit.
Und ioBroker? Fehlanzeige, denn der kennt nur Z-Wave über direkt angeschlossene Hardware, also einen USB-Stick wie den ZMEEUZB1 oder ein Razpberry 2-Modul. Ich habe keine Ahnung wie man den Status des Gateways abrufen könnte. Geht bestimmt, nur übersteigt das meine Fähigkeiten.

Video: Jupp, läuft. Aber auch nur über RTSP:

rtsp://Kamera_IP_Adresse/ID-der-Kamera.Passwort

Die Integration in Google Home klappt einfach nicht. BTW: LSC ist einfach Tuya, sonst nix.

Ich bin recht angetan von dem Gerät und auch fast versucht, noch eines zu kaufen, wenn ich das für einen Zwanni bekäme. Nur… wozu? Wohin? Ich brauche eigentlich keine Kamera mehr, oder? ODER?
Und erst recht kein Z-Wave-Gateway.

 

 

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