Immer Drama um Dahua!

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Meine Gefühle für die Dahua-Türsprechanlage sind ambivalent, das gebe ich zu. Auf der einen Seite ist das Ding ganz ordentlich aufgebaut und funktioniert auch gut, solange man nichts daran herumfummelt. Will man aber “mehr”, dann wird es schnell kompliziert und nervig. Die ersten Versuchsaufbauten liefen ja wirklich gut und genau so, wie vorgesehen. Alles top! Und dann fing ich an zu fummeln! 🙁
Ein Firmwareupdate, warum auch nicht? Oder konkreter: Weil die neue chinesische Zugangskontrolle nicht mit der VTO2000a reden wollte. Ich habe immer noch nicht ganz verstanden, ob die VTO Wiegand oder nur RS485 spricht und versteht. In den Beschreibungen steht immer was von Wiegand, aber auf den Klemmen steht groß “485_A” und “485_B”!

Auf einigen Screenshots sah man aber, dass man den was-auch-immer-Eingang als “Cardreader” definieren kann.
Diese Einstellungen gibt es bei mir aber nicht. Ich habe aber auch die Firmware 3.2 drauf. Ist Stand Ende 2019, bzw. noch aus dem Jahre 2017. Fast schon antik.


Bastelsetup. Ja, ja, mein Schreibtisch ist 2,2 Meter lang, aber ich habe keinen Platz. Ich hole heute einen Beistelltisch, dann kommt der 3D-Drucker hier weg.

Erwähnte ich, dass man auf das Webend nicht mit einem auch nur annähernd modernen Browser kommt? Dass man für den Zugriff tatsächlich einen uralten Internet Explorer benötigt?
Neeeei! Tricks wie IE-Tab unter Chrome oder ähnliche Spielereien funzen nicht! Das Config Tool findet unter Wine auch keine Devices, fast schon unnötig zu erwähnen. Nativ gibt es das nur für Windblow$ und macOS. Ach, und für Handys. Aber das funzte bei mir auch nicht.

Bis dahin schwor ich mir, ob der gruseligen Horrorgeschichten aus dem IP-Phone-Forum, bei denen sich die Leute dauernd die Geräte brickten, auf ein Firmwareupdate zu verzichten.
Aber diese Zugangskontrolle, die muss doch irgendwie… also… das wäre doch gelacht! So ein Update bekomme ICH sicher hin!
Ach, was soll schon passieren?
So mit einem Windows 7 mit IE9 von Microsoft in einer VirtualBox und dem Dahua Config Tool aus der Dahua Tool Box?
Außer, dass das Update nach 30% hängt und sich auch nach einer halben Stunde nicht einen Pixel bewegt?
Stromlos gemacht.
Neu gestartet.
Klingelschild leuchtet dauerhaft. Mist!
Die VTO ist aber anpingbar. Gut.
Mit SSH drauf (Standard-Port 22), aber in der Bash kann man nur shell, gehthwid, getDateInfo, diagnose und help eingeben. Ich sehe so natürlich keine hängenden Prozesse, geschweige denn, dass ich sie abwürgen könnte.

Die Lösung war, den Klingelknopf beim Einstecken zu halten, danach war zwar die vergebene IP wieder auf die 192.168.1.110 gestellt, aber die von mir gemachten weiteren Einstellungen sind erhalten geblieben.
Ich änderte die IP über das Webend der VTO wieder auf die im Range der VTH, startete neu und schlug mit der Stirn auf den Tisch. Immer und immer wieder, denn schon wieder leuchtet nur das Klingelschild.
Nach drei Resets (ich bin hartnäckig!), lief die VTO dann wieder unter der zuvor vergebenen IP. Warum auch immer. Oder doch: vielleicht lag es daran, dass ich vor dem letzten Reset die Zugangskontrolle abgeklemmt hatte?


Zugangskontrolle (grau/weiß) an Pins 3 und 4

Morgen kommt dann endlich das SBoard DEE1010B, von der ich mir erhoffe, dass sie über ihre dedizierten R485-Ports (die da auch “Wiegand” genannt werden!), den Cardreader anschließen zu können.

Noch einige Eckdaten zu der Zugangskontrolle:
Kadongli (KDF) F20
Das ist gar nicht mal so ein kleiner oder unseriöser Laden, nein. Kadongli scheint seine Produkte tatsächlich ernst zu meinen. Wobei der F20 eher deren *hust* günstigen Bereich zuzuordnen zu sein scheint.
Die haben da ein paar echt niceige Tastenfelder zu haben. Gebürstetes Aluminium in rosé, Gold oder Messing sind zwar für Europäer eher ungewohnt, aber das sieht schon echt nice aus.


Kadongi F20, verchromtes Plastik 🙂

Features:
Code-Tastatur
RFID-Leser
Fingerabdrucksensor
Mifare 13,56 MHz RFID
Wiegand 26-Bit-Ausgang
IP68 wasserdicht
Touchscreen
Preis: 37 Euro auf Amazon

Das Ding macht einen echt guten Eindruck. Klar, verchromtes Plastik, ist trashig, aber die Beleuchtung ist wirklich perfekt (wenn auch blau) und der Fingerprint ist durchaus mit einem Handy zu vergleichen. Die Größe des Gerätes ist in etwas so wie ein 5″-Handy, nur etwas dicker. Die Höhe ist exakt so groß wie die der VTO.
Es ist im inneren wirklich fast makelos und blasenfrei mit einem dauerflexiblen, sehr zähen Silikon (o.ä.) ausgegossen. Die Anleitung ist mal wieder viel zu klein gedruckt, aber… naja, passt schon.


Wasserdicht vergossen

Eine Warnung vorweg, denn man liest viel in den Amazon-Rezensionen, dass andere Wiegand-Zugangscontroller nicht funktionieren würden und “Schrott” seien, nur weil die Leute einfach zu dämlich sind, das System zu verstehen: Der Controller überträgt die empfangenen Codes an ein SBoard im INNEREN DES HAUSES, das diese auswertet und dann über die eigenen Anschlüsse zum Beispiel den Türöffner betätigt. Warum? Weil sonst jeder mit einer Büroklammer in das Haus käme! Oder nur mit einem Magneten! Denn hinter der roten LED an dem F20 sitzt ein Relais! Was aber auch alles wurscht wäre, denn eine nicht abgeschlossene Tür gilt versicherungstechnisch als offen. Isso! Also bitte nicht die NC (NO) und COM-Ausgänge direkt an einen Türöffner anschliessen! Immer nur über den Wiegand-Bus an einen Controller IM Haus!


Gut und clever gelöst: Auf der Platte, die man an die Wand schraubt, sind die Farben und Funktionen der Leitungen aufgedruckt.
Nicht so toll: Das Loch für die Leitungen ist so klein, dass man da nicht mit Klemmen arbeiten kann. Löten und Schrumpfschläuche, das ginge hie aber natürlich. Oder das Loch vergrößern.
Man muss nur aufpassen, dass nicht Wasser die Wand herunter und dann in den Installationsbereich fließen kann.


RFID-Tags: Zehn Stück waren für das Geld sogar mit dabei!

Morgen werde ich sehen, ob ich den Kram an den Start bekomme… es bleibt spannend

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