Der Kompressor für den Hammer

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Schnapper! 131 Euro! Vom Grabbeltisch im Toom Baumarkt gezogen. Nicht so ein ölloses Flüstergerät für Frauenversteher und Baumumarmer, nein! Richtig alte China-Oldschool-Scheiße! 97 dBa! BÄMM! Da fallen die Vögelchen mit Herzkranzgefäßverkrampfung tot vom Baum, wenn ich das Garagentor beim Einschalten offen lasse!

Streichelkompressoren
Ich liebäugele schon länger mit einem Kompressor. Als ich neulich in YouTube blätterte, wollte mir jeder ehrlich schaffende – natürlich einzig am Wohle seiner Zuschauer interessierte – Influencer diese ihm kostenlos gestellten, friedenstaubenweissen, öllosen Flüsterkompressoren von Implo… äh… Explotex als das einzig Wahre und glücklich machende andrehen.

Deren Luftabgabemenge (und die Zeit bis zum Erreichen des Nenndruckes) steht in keinem Verhältnis zu den Anschaffungskosten – vor allem im Haushaltsgebrauch. Um das mal einzusehen, half mir dieses Video: Kompressor – Ratgeber – Übersicht🚩Vergleich – Test – Ausführlich erklärt.

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https://www.youtube.com/watch?v=wXSTQyF0Gcc

Danach wird einem klar, dass solche Schmusekompressoren nur etwas für lärmempfindliche Warmuduscher mit prall gefüllten Konto (durch die bezahlten “Tests”) sind, die eine Luftmatratze für ihre Mietzekatze aufpumpen wollen. Neee, ich will schon etwas mehr Leistung als nur ein asthmatisches Todesröcheln aus dem Drucklosschlauch. Also suchte ich nach einem Kompressor mit Ölschmierung, Doppelzylinder und mindestens 50 Liter Drucktank.

Der Zufall hilft immer!
Fündig wurde ich beim Kauf der Unterputzarmaturen von hansgrohe für das Bad – OT: 25 Euro für ein Stück verchromtes ABS? Ist das Euer Ernst? Ach ja… auch da empfinde ich als Kunde die Reibungshitze, die beim über den Tisch ziehen entsteht, nicht als Nestwärme! Aber sei es drum.

Zurück zum Thema heiße Luft: Freitag Abend bin ich also im Toom. So gegen 21:00 Uhr, alles ruhig. Nice. Auf dem Stand mit den großen roten “Rausverkauf”-Schildern steht ein Rowi DKP 2200/50/3 V. Kein Preis dran. Hmm, wie immer. Verkäufer gefragt. Der gibt freundliche 25% Rabatt und macht einen -25%-Papperl dran.

Preisvergleich! Im Markt habe ich kaum Empfang und das Toom-WLAN-blockiert zuverlässig alle Preisportale und auch Amazon. Hmmm, na gut… ist der Preis okay? Hat das Ding taug? Ich kann es nicht feststellen und fahre wieder gen Heimatbasis.

Höhere Mathematik
Zwischenstation m Tennisclub: schaue ich doch mal ein paar Preise an. Okay, gegen den regulären Preis von 200 Euro im Toom kann man nichts sagen. Ist absolut am unteren Ende für das Gerät. Abzüglich 25%? Um die 150 Euronen! Gefällt!

Schnell noch ein paar Testberichte gesucht, aber nichts gefunden. Dafür aber das o.a. Video von einem normalen Menschen für normale Menschen – mit Infos jenseits der hochglänzenden Werbebroschüren. Für Menschen, die beim Autoschrauben ihre Hände nicht immer mit ölabweisenden Handschühchen schützen. Nun ist mir klar: Das ist mein Kompressor! Er erfüllt meine Mindestvoraussetzungen!

Spiel, Satz, Sieg!
Rücksprache mit Frau™ die gerade siegesberauscht vom Platz zielstrebig auf den Biergarten zusteuert. Kurzes Briefing. Sie kann nicht anders und stellt die übliche Frage der Fragen: “Wozu braucht man das?”.
Eloquent und wie aus der Pistole geschossen antworte ich mit dicken Backen: “Luftballons aufblasen?” – ich ernte einen Spock-Blick – “Hmmm, die Regenrinne ausblasen?” – “Klingt super! Den brauchen wir!”. Also rufe ich im Baumarkt an und reserviere ihn bis Samstag.

Mittags hole ich das Ding ab, zeige die Kundenkarte vor und *klingel-ling!* Endpreis 131 Euronen und ein paar zerbröselte Cent. Das Ding ins Haus geschafft und kurz ausprobiert. Mangels Werkzeug schaltete ich ihn nur kurz ein und genoss nur den Sound ein wenig. Wenn der ölige Rowi anspringt, dann dimmen sich vor Ehrfurcht die ökologischen LED-Deckenlampen! Hach! Isser nisch schön? Schön stromhungrig?


Die lädierte OVP des Kompressors. Wer braucht die in hübsch? Niemand. Sparte mir 69 Euro – oder mehr als 33 % des Kaufpreises.


Zusammengebauter Kompressor

Technische Daten
2.200 Watt, 50 Liter, 10 Bar, angebliche 260 Liter die Minute Abgabeleistung. Doppelzylinder – und wie gesagt: trommelfellmalträtierende 97 dBa!

Fazit
Das ist was für Männer, die Haifischzähne oder Flammen – aber nicht goldige Gänseblümchen – auf den rostigen Kotflügel ihres dieselbetriebenen Kraftfahrzeugs airbrushen wollen. Prius- oder Zoe-Fahrer greifen natürlich gerne zu den umwelt-proaktiven Flüsterkompressoren aus deutscher, biologisch-verantwortungsbewusster Aufzucht, die sie mit ihrem 1.200 Euro günstigen iPhone bei Amazon bestellen. Sie betreiben die Ökoluftpumpe dann mit auch Ökostrom, ist klar.

Aber mal ohne Flax: Diese auf YouTube von Influencern massiv beworbenen Kompressoren von Implotex sind halt etwas für Leute, die auch ohne Ölabscheider kein Öl in der Luft haben wollen und auch nicht die räumlichen Gegebenheiten haben, den Kompressor in einen separaten, lärmgedämmten Raum zu stellen. Zahnärzte oder Modellbauer, was weiß ich? Für den normalen Hobbyschrauber, der dreimal die Woche Druckluft braucht, sind diese Flüsterkompressorer der totale finanzielle Overkill. Klar, für den Poser von Welt, der das Gerät nur zum Angeben braucht und Videos und Bilder aus seiner Garage mit dem danebenstehenden Tesla Model X in sozialen Medien postet, für den kommt ein Baumarkt-China-Kompressor natürlich grundsätzlich nicht infrage.

 

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